Der künstlerische Siebdruck (Serigraphie, Seidendruck, Silk-Screen-Print)

Das Verfahren der Serigraphie, das für den originalgraphischen Künstlerdruck verwendet wird, ist kein eigentliches Druckverfahren, sondern eine besonders entwickelte Art des Schablonierens, ein Durchpressen also von geeigneter Farbe durch ein feinmaschiges Netz – die Druckform – auf den Druckträger - bei der Künstlergraphik meist auf ein 300 g/qm schweres Büttenpapier. Das Prinzip ist einfach, aber die technischen Variationen überaus vielfältig: Auf eingerahmtes, straff gespanntes Sieb wird eine Darstellung in der Weise festgelegt, dass man freilässt, was am Papier Farbe tragen, und abdeckt, was am Papier nicht bedruckt sein soll. Dieses Abdecken (Schablonieren) geschah bei einem Künstlerdruck von A. R. Penck beispielsweise durch Schnittschablonen beziehungsweise Fotoschablonen. Ein Künstler kann die feinen Siebmaschen auch mit Leim verkleben, mit Schablonen und Folien überdecken, mit einer deckenden Emulsion mittels einer Sprühpistole besprühen oder eine Wasser abweisende Fettzeichnung auf das Sieb auftragen. Bei dieser so genannten Auswaschmethode, wird die fettige Zeichnung auf dem Sieb mit einer Leimwasserabdeckung bestrichen, die von den fettigen Partien abgestoßen wird. Das getrocknete Sieb wird von unten her mit Benzin oder Terpentin bestrichen, die fettige Farbe wird heraus gewaschen und die vorher bezeichneten Stellen sind frei zum Durchdruck der Farbe.

Ist das Sieb auf eine dem Künstler entsprechende Weise fertiggestellt, wird das Büttenpapier auf einen Drucktisch gelegt, und die Farbe aufgetragen. Um eine hohe, gleichmäßige Qualität zu gewährleisten, kommt eine Druckmaschine zum Einsatz. Der Siebdruck bietet dem Künstler den Vorteil, im Gegensatz zu anderen Verfahren seitenrichtig zu arbeiten. Durch den Variantenreichtum dieser Technik bietet der Siebdruck fast unbegrenzte Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks. Man kann die feinen Siebmaschen mit Leim verkleben, mit Schablonen und Folien überdecken, mit einer deckenden Emulsion mittels einer Sprühpistole besprühen oder eine Wasser abweisende Fettzeichnung auf das Sieb auftragen. Eine weitere Methode, die Schellackschablone, funktioniert mittels einer deckenden Emulsion, die auf das Sieb besprüht wird, um verlaufende Farbübergänge und eine Flächenwirkung ähnlich wie bei der Aquatinta zu erzielen. Die Verwendung einer Fotoschablone eignet sich insbesondere für Vergrößerungen von Vorlagen sowiefür nuancierte, linienreiche Drucke. Eine Fotoschablone wiederum ermöglicht dem Künstler, mit fotografischen Mitteln zu arbeiten: zunächst wird in der Dunkelkammer das Sieb mit einer lichtempfindlichen Emulsion bestrichen. Über das getrocknete Sieb legt der Künstler ein Fotonegativ oder eine bemalte, transparente Folie. Während der Belichtung des Negativs auf das Sieb erhärtet sich an den entsprechenden Stellen die lichtempfindliche Emulsion. In einem Wasserbad werden die erhärteten, lichtempfindlichen Stellen fixiert und aus den unbelichteten Stellen die Emulsion herauslöst. 

Zum Druck wird der Papierbogen, meist Büttenpapier oder Karton, auf eine Glasplatte aufgespannt und das Sieb mit einem gewissen Abstand, dem Absprung, darauf gesetzt. Mit einem Spachtel wird spezielle, dickflüssige Siebdruckfahrbe auf das Drucksieb aufgetragen und mit einem Rakel von oben nach unten über das Sieb gestrichen, um die Farbe durch das feinmaschige Netztzu pressen. Durch die nicht abgedeckten Stellen tritt die Farbe auf das Papier. Mehrere Faktoren bestimmen die Bild- und Farbwirkung: Art des Siebes, Farbkonsistenz, Schliff und die Führung des Rakels.

Handabzüge mit einer Rakel sind nur bei einer Auflage von maximal 15 Exemplaren durchführbar. Bei Auflagen über 15 werden Siebdrucke durch Präzisionsmaschinen von einem kongenialen Drucker ausgeführt, der es vesteht, die Vorstellungen des Künstlers umzusetzen.
Typisch für den Siebdruck ist der satte, opake Farbauftrag - ein bedeutender Vorteil gegenüber allen anderen Drucktechniken. Unter der Lupe kann man an den Rändern meist den Abdruck des für das Sieb verwendeten Materials erkennen. Da beim Druckvorgang wenig Kraft angewandt wird, wirkt das Papier nie gepresst im Gegensatz zu einer Radierung. Das hat zur Folge, dass der Papierrand mit der Zeit nicht wellig wird wie bei manchen anderen Drucktechniken.

Das Siebdruckverfahren ermöglicht eine Vielzahl variierender Anwendungen, oft auch zusammen mit anderen Techniken  z.B. Lithographie, um feine Linien darzustellen. Dieses Vorgehen wird Mischtechnik (mixed media) genannt. Der Siebdruck wird hauptsächlich für flächige Darstellungen eingesetzt. Für die Erzielung von Halbtönen, feinen Details und zeichnerische Wirkungen sind andere Verfahren wie Lithographie und Aquatintaradierung hingegen besser geeignet.

Erste moderne Künstlersiebdrucke schufen Fernand Léger und Jean Arp. Aber erst in der Pop-Art mit Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Tom Wesselmann wurde diese Technik populär. In neuerer Zeit setzten Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A.R. Penck das Verfahren für ihre originalgrafischen Kompositionen ein.


Ihre
Dr. Dagmar Gold
ARTEVIVA FINE ART

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