Liebermann, Max (1847–1935)

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Max Liebermann, geb. am 20. Juli 1847 in Berlin, gest am 8. Februar 1935 in Berlin. 1868-72 Studium an der Weimarer Kunstschule. 1871 Reise nach Düsseldorf, malerische Anregung durch M. Munkásy zu Liebermanns erstem bedeutendem Bild "Gänserupferinnen" (heute Slg. Nationalgalerie, Berlin). 1871 erster Hollandaufenthalt. 1872 Reise nach Paris, Einfluss von G. Courbet und der Barbizon-Schule, seit 1872 mehrere Aufenthalte in Holland. 1878 Übersiedelung nach München. 1884 Rückkehr nach Berlin. 1889 Mitglied der Societé Nationale des Beaux-Arts. 1873-75 entstanden von J. F. Millet beeinflusste Bilder wie „Arbeiter im Rübenfeld“. 1876 kopierte Liebermann Genre-Bilder von van Hals. 1879 Begegung mit Wilhelm Leibl in München, den maßgeblichen impressionistischen Maler in Deutschland, der ihn zu stärkerer zeichnerischen Durchbildung anregte. Liebermanns regelmäßige Hollandaufenthalte waren entscheidend für seine Motivwahl. Der Kontakt zu J. Israel 1881 ließ bei Liebermann für einige Jahre (bis um 1900) eine stimmungsvolle naturalistische Schaffensweise aufkommen. Bis in die Mitte der 1890er Jahre beherrscht der arbeitendene (oder sozial in einer Sonderstellung befindeliche) Mensch seine Bildwelt. Ab 1886 begann Liebermann, regelmäßig Radierungen anzufertigen. Die Zeichnung erreicht ab dieser Zeit eine eigene Bildwirkung (vgl. auch „Auf der Weide“). Seit 1900 spielen Motive der Gemeinschaft eine stärkere Rolle (vgl. auch „Kaffeegarten an der Havel“). In seinem Schaffen stets der Natur verpflichtet, betonte Liebermann die Einheit von Mensch und Natur. Aber auch eröffnet Liebermann der Sinn für neue Erscheinungen der Wirklichkeit und Lebensgewohnheiten (Reformbewegung, Freikörperkultur, wie hier). Momenthafte, sich rasch vollziehende Bewegungen, wie hier beim Baden am Strand, wurden zu einem zentralen Problem in Liebermanns Kunst, beispielhaft gelöst in diesem Werk. Die genaue zeichnerische Darstellung weicht nun dem eher flüchtigen Strich, der die Bewegung und den Zeitverlauf wiedergibt. Um 1900/1901 orientiert sich Liebermann in seinen Motiven neu. In den 1890er Jahren beginnen Einflüsse des Impressionismus zu wirken, die soziale Bestimmtheit der vorangegangen Phase tritt zurück, und Liebermann widmet sich fast ausschließlich der Entwicklung einer an alltäglichen Motive gebundenen Lichtmalerei, unter anderem der Großstadt und der mit ihr verbundenen bürgerlichen Lebenskultur. Den Menschen schildert er hier als den die Natur Genießenden, in Restaurants (wie hier), beim Baden („Badende Knaben“) oder beim Reiten. Diese heiteren Genre-Bilder, aber auch zahlreiche (Selbst-)Portraits lösen die früheren Motive der holländischen Landbevölkeurng ab. Die impressionistische Darstellungsweise der späten Werke fokussiert auf Licht und Farbe. Das Motiv ist dem Personalstil in einigen Werken in gewisser Hinsicht untergeordnet.

Buchempfehlung:

Günter Meißner, Max Liebermann. 58 farbige und 55 Schwarzweiß-Abbildungen. 147 Seiten, fester Einband. E.A.Seemann Verlag, 2008.
Max Liebermanns Garten am Wannsee. 23 x 20 cm. 199 Seiten, 115 Abbildungen. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2007.